Braukunst made in Karlsruhe

Die Geschichte des Brauwesens zwischen Mühlburg und Durlach

„Köstlich – wann auch immer – Karlsruher Bier“. Der Original-Werbeslogan aus den 60ern wirft nur eine Frage auf: Seit wann gibt’s dieses Getränk eigentlich? Jedenfalls nicht seit der Stadtgründung 1715. Die erste Brauerei auf Karlsruher Gemarkung ließ der damalige Markgraf nämlich erst 1758 in seinem Kammergut Gottesaue einrichten. Es gab weißen oder braunen Gerstensaft und der konnte sich nur schwer gegen die auswärtige Konkurrenz durchsetzen. Die saß zum Beispiel in Mannheim, aber auch von Osten kam viel Bier nach Baden! Aber nicht etwa aus Bayern oder Pilsen – nein aus Württemberg!

Die zweite Brauerei, soweit bekannt, eröffnete in Mühlburg, eine damals selbständige Gemeinde: die Seldenecksche Brauerei (heutzutage ist dort das Kulturzentrum „Tempel“). Dieses Unternehmen war erfolgreich, wuchs beständig und existierte bis 1920. Die letzten 20 Jahre firmierte es unter dem Namen Mühlburger Brauerei AG. Danach kaufte die BrauereiSinner den Betrieb. Sie gehört seit 1972 zur Moninger-Familie.

Schlucken und geschluckt werden. So kann man die Geschichte der Brauereien beschreiben. Ein Grund: Die Bierherstellung entwickelte sich vom Handwerk zur Industrie. Das für den technischen Fortschritt nötige Kapital, unter anderem für neues Gelände, Kältemaschinen, große Sudhäuser, Lager-keller oder Flaschenabfüllanlagen, brachten viele Inhaber nicht zusammen.  Im Revolutionsjahr 1848 gab es 29 kleine Brauereien in der Stadt, 1907 nur noch elf. Ausstoß 1848: ein paar tausend, Ausstoß 1907 fast 700.000 Hektoliter!

Nach der Zwangsvereinigung mit Durlach 1938 kamen weitere Brauereine dazu. Die größte Brauerei unterm Turmberg hieß Eglau – 1920 von Moninger aufgekauft. Moninger wiederum war 1856 entstanden, als der Brauergeselle Stephan Moninger die Witwe seines Chefs Louis Kaufmann heiratete. Um die Braukonzession zu erhalten, musste sie den Mitarbeiter ehelichen, denn Frauen durften kein bürgerliches Gewerbe ausführen. Moninger stieg im 20. Jahrhundert zur größten Brauerei Badens auf. 2010 hat Moninger das Hofbrauhaus Hatz aus Rastatt gekauft. Besonderes im Sortiment sind das Hatz Badisch Hell und das Bleifrei.

Nicht minder spannend ist die Geschichte der bekannte Privatbrauerei Hoepfner. Sie begann in Linkenheim und Eggenstein; dann kaufte ein Jakob Friedrich Hoepfner die Karlsruher Brauerei Schmieder in der heutigen Kaiserstraße und siedelte um. In der allseits bekannten Bierburg in der Oststadt residiert Hoepfner erst seit 1898. Aus den Gebäuden dort kommen mittlerweile nicht nur leckere Biersorten, etwa das dunkle und kräftige Porter. Sondern auch starke Ideen von Start-up-
Firmen und regionale Fernsehsignale.

Nach zwischendurch nur noch drei gibt es für durstige Kehlen heute wieder sieben Karlsruher Brauereien – den kleinen Hausbrauereien sei Dank. Zuerst das Vogelbräu in der Kapellenstraße, später dann in Ettlingen und Durlach; dann das Badisch Brauhaus in der Stephanien-straße, gefolgt vom Brauhaus Kühler Krug am Rand der Günter-Klotz-Anlage und als jüngster im Bunde das Brauhaus 2.0 in Knielingen. Alle vier „Jungen“ mit ständig neuen Bier-Ideen und eigenen Gastwirtschaften, alle Sorten naturtrüb. In manchen Kneipen fließt zudem noch „Wolf“ aus dem Hahn; zum Beispiel im ehemaligen Haupt-ausschank am Werderplatz. Gegründet wurde die Brauerei Max Wolf GmbH im Jahr 1885. Ihre Spezialität ist der Indianerbock. Wolf ist vor wenigen Jahren aus der Südstadt verschwunden. Gebraut wird jetzt in Heidelberg.

Fazit: Die Karlsruher Braukunst lockt mit unglaublich vielen lokalen Spezialitäten. Einfach mal probieren, es lohnt sich. Oder in der Sprache von 1974, nach einem weiteren Original-Werbe-slogan der Karlsruher Brauereien: „Prost Blume – Karlsruher Qualitätsbiere".