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Das deutsche Reinheitsgebot vom 23. April 1516

Der Internationale Tag des Bieres findet am ersten Freitag im August statt. Der deutsche Brauer-Bund feiert dagegen am 23. April. Warum? Ganz einfach – da jährt sich die Verkündung des Bayrischen Reinheitsgebotes: In unser Bier gehört nur Wasser, Hopfen und Malz! Von der Hefe ist erst später die Rede, die war 1516 noch nicht bekannt. Die Würze im offenen Bottich gärte damals auch ohne das biologische Wissen wieso. Hefezellen und andere Mikroorganismen treiben nämlich fast überall durch die Luft.

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Für ganz Deutschland gilt das Reinheitsgebot übrigens erst seit 1906. Das Reinheitsgebot war damals notwendig und im Sinne der Verbraucher. Denn bis zu dessen Erlass mixten die Brauer oft die abenteuerlichsten Zutaten ins Bier, ob Tollkirsche, Bilsenkraut, Stechapfel, Wurzeln, Ruß oder Pech, um Aussehen, Geschmack und die berauschende Wirkung zu verstärken. Wobei Brauer im Mittelalter eher Brauerinnen waren: Hatten die Frauen Brot gebacken, nutzten sie einen ungebackenen Laib als Startkultur für das Bierbrauen. Denken Sie an Rumpelstilzchen: „Heute back ich, morgen brau ich und übermorgen hol ich der Königin ihr Kind.“

Aufgrund einer Klage am Europäischen Gerichtshof sind in Deutschland seit 1987 auch Biere erhältlich, die dem Reinheitsgebot nicht entsprechen. Deutsche Brauereien jedoch sind gehalten, nach dem Reinheitsgebot zu handeln. Trotzdem gibt es bei uns die unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen – etwa Pils, Altbier in Düsseldorf, Kölsch in Köln, dunkle Biere in Franken, Weißbier in Bayern, Schwarzbier in Sachsen. Oder die trendigen „Craft beers“: Orangen- oder Mango-Aroma im India Pale Ale, erzielt ganz ohne Fruchtzusatz. Unterschiedliche Malze, ausgesuchte Hopfensorten, die richtige Hefe und eine bestimmte Lagerung, das reicht für die Vielfalt.

Wie heißt es so schön im Jahr 1681 in einem Text: „Das Bier ist ein Getranck auß wasser / Gemultztem Getraid und hopffen gesotten und gebrewet“. Mehr braucht’s wirklich nicht.