Botanische Gärten in Karlsruhe

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Friederike 26.04.2018

Oft sind die schönsten Ecken Karlsruhes, die die man als Karlsruher nicht oft genug besucht. Wie zum Beispiel die zwei Botanischen Gärten mit ihrer wunderschönen, exotischen Pflanzenwelt, die Karlsruhe zu bieten hat.

Der Außenbereich ist sehr schön angelegt, mit gemütlichen Sitzbänken mit Blick auf die Wiesen und blühenden Blumenbeete. Mein Fokus ist diesmal jedoch auf die neu eröffneten Schauhäuser gerichtet. Denn die Sanierungen der Schaugewächshäuser sind seit heute abgeschlossen und als Wahl-Karlsruherin wollte ich mir die traditionellen, oft vergessenen Häuser einmal anschauen. Vorab kann ich schon mal sagen, dass ich begeistert war.

Die Sanierung war notwendig, da die Schäden an der stählernen Konstruktion und den Natursteinwänden behoben werden mussten. Insgesamt hat es vier Jahre gedauert, um die Rekonstruktion aus dem 19. Jahrhundert wiederherzustellen. Nicht nur die ursprüngliche Architektur von dem Baudirektor Heinrich Hübsch im Jahre 1888 wurde wieder übernommen, sondern auch die besondere Pflanzenauswahl, die das damalige höfische Leben bestimmte, wird nun wieder zur Schau gestellt.

Thomas Huber, der Gartenleiter, stand an dem Wiedereröffnungstag für jeder meiner Fragen bereit und erklärte mir, dass damals die exotischen Pflanzen sich nicht nur zur Zierde in den Gewächshäusern befanden, sondern durchaus der Belieferung des Großherzoges dienten, wie zum Beispiel: Ananas, Zitronen, Piment, Zimt, ...

Gespannt von Huber's Erzählungen beginne ich meine Expedition und befinde mich an einem Nachmittag direkt in drei Klimazonen, denn die Schauhäuser sind in drei Häuser unterteilt.

Damals

Heute

Das Kalthaus

Das erste wird auch „Kalthaus“ genannt und hat im Winter eine Temperatur zwischen 10 und 12 Grad, dort befinden sich hauptsächlich Kakteen und es gibt eine große Überwinterungsfläche, die im Sommer für Kunstaustellungen von Studenten der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe genutzt werden und im Winter für Kübelpflanzen, wie die Zitronenbäume, die sich aber derzeit draußen befinden.

Orangenbäumchen

Fast wie in Texas

Das Palmenhaus

Das nächste ist das „Palmenhaus“, bei dem liegt die Temperatur um die 15 Grad und neben zehn verschiedenen Palmenarten befindet sich dort auch das neue Seerosenbecken. Jedoch wird es wohl noch einige Jahre dauern, bis die Palmen wieder das Dach erreichen.

Verschiedenste Seerosen

Bunter Pfeilwurz Brasilien

Das Warmhaus

Zum Schluss befinde ich mich im „Warmhaus“, das im Winter angenehme 20-22 Grad aufweist, doch im Frühling oder Sommer, wenn draußen die Sonne scheint, sind alle ungefähr gleich temperiert, bei mir waren es um die 26 Grad. Dort befinden sich viele Subtropische Pflanzen u.a. Kakao, Kaffee, Ananas und Bananen, aus Südamerika, Indien und Australien.

"Die üppige Anna"

Ausgefallene Pflanzenarten

Da ich nicht die Chance hatte, die alten Schauhäuser kennenzulernen, interessierte es mich sehr, worin genau die Unterschiede zur sanierten Version bestehen und Herr Huber informiert mich auch darüber. Vor der Sanierung wurden die Gewächshäuser zwar mit vielen Pflanzen ausgestattet, aber bei weitem nicht in dem speziellen Umfang wie heute und die Wegeführung hat sich von einem vorher eher natürlichem Umfang zu einer modernen Variante hin verändert.

Für ihn als Gartenleiter bestand die größte Herausforderung darin, die Flora von damals, heute zu finden. Diese Suche wurde noch erschwert durch die Tatsache, dass viele Pflanzen vor über 150 Jahren eine andere Bezeichnung hatten als heute. Doch mit einem Lächeln im Gesicht gibt er zu, dass er mit dem Ergebnis mehr als zufrieden ist. Auch mit dem Eintrittspreis war ich zufrieden, denn vergünstigt (als Student*in) zahlt man nur 1,50€, der reguläre Preis beträgt 3€.

Saniertes Schauhaus

Eingang zu den Schauhäusern

Weiter geht’s zu meiner nächsten Flora Idylle in Karlsruhe, zum Botanischen Garten der für Forschungszwecke vom KIT (Karlsruher Institut für Technologie) finanziert wird. Herr Huber beschreibt ihr Verhältnis als ein gutes Miteinander bei dem man sich gegenseitig aushilft, denn der „KIT-Botanischer Garten“ stellte ihnen sogar aktuell Pflanzen zur Verfügung und vice versa. Zu Fuß liegen beide Gärten nur ca. 20 Minuten voneinander entfernt. Mit dem Rad war ich schon in 5 Minuten da und staunte nicht schlecht als ich den etwas versteckten Garten entdeckte…

Der Außenbereich

Von außen wirkt der Botanische Garten des KIT etwas unscheinbar und ich erkunde erstmal die Pflanzen, die sich vor dem Gebäude befinden und gehe langsam um das Glashaus herum. Dort eröffnete sich mir eine große Fläche mit Bäumen aus der ganzen Welt, Blumenwiesen, Bienenstöcke, Safranpflanzen, Wilder Wein und noch vieles mehr. Ich hätte ewig dort draußen verweilen können, mit jedem weiteren Meter den ich zurücklegte, fühlte ich mich in ein anderes Land versetzt. Erst fühlte ich mich wie in Deutschland, doch das änderte sich schlagartig als ich unter dem riesen Nadelbaum stand, der mich an meinen Korsika Urlaub erinnerte. Noch ein paar Meter weiter entdeckte ich kleine Pflanzen aus dem Balkan und einen Baum aus China mit einer außergewöhnlichen Blattformation. Zusätzlich stehen dort viele kleinere und größere Informationstafeln zur Verfügung.

Wie in Frankreich

Bienenstock

Innenbereich

Natürlich will ich auch wissen, wie hier die Gewächshäuser ausgestattet sind und begebe mich in das Palmenhaus, Tropenhaus, Seerosenhaus und Kakteenhaus. Außerdem haben sie mehrere wissenschaftliche Gewächshäuser, diese sind jedoch nicht für Besucher zugänglich. Online lese ich später, dass sie eine Pflanzenvielfalt von 5000 Stück vorweisen können. Ich bin mächtig beeindruckt, denn hier muss man keinen Eintritt zahlen, das funktioniert aber nur, da viele auf einer freiwilligen Basis dort beschäftigt sind. Am besten hat mir das Palmenhaus gefallen, denn hier kann man sie schon in ihrer ganzen Größe betrachten!

Man sieht den Dschungel ...

.. vor lauter Palmen nicht

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich meine kleine Expedition zu den versteckten Zielen in Karlsruhe sehr genossen habe. Denn ohne großartig zu wissen, was einen erwarten wird, war ich überwältig von dem Artenreichtum in den exotischen Oasen, die man hier finden kann. In Zukunft werde ich jeden Karlsruher den ich kennenlerne fragen, ob sie denn auch schon dort waren. Denn beide Botanischen Gärten sind meiner Meinung nach, definitiv einen Besuch wert!

Chinesische Baumblätter

Es blüht und duftet!