50 Jahre Schlossgartenbahn

Ein Besuch im Lokschuppen bei Steffen und Marco

mehr erfahren

Stephanie

Heute machen wir uns auf in den Schlossgarten, streng genommen führt unser Weg zum Lokschuppen der Schlossgartenbahn. Steffen Waidelich und Marco Müller begrüßen uns freundlich und bei einem Kaffee erzählen sie uns mit leuchtenden Augen von der Geschichte der Schlossgartenbahn. Der Funke springt definitiv über. Es riecht nach Dampf und überall sind fleißige ehrenamtliche Helfer, die schrauben, ölen und polieren.

Traumberuf: Lokomotivführer

Bereits 50 Jahre gibt es sie nun schon, die Schlossgartenbahn, liebevoll Bähnle genannt. Steffen und Marco sind nicht einmal zusammen gerechnet so alt.

Schon seit Kindheitsbeinen an, sind sie fasziniert vom „Virus“ Eisenbahn und Dampfloks und wie viele kleine Jungs träumten sie einst davon, Lokomotivführer zu werden. Steffen erzählt uns, dass er irgendwann einfach mal gefragt hat, ob er auf der „Greif“ mitfahren darf und ob er mitarbeiten darf. So kam der Kontakt zum Vorbesitzer der Greif, Manfred Halle. Dass er die Lok eines Tages von ihm sogar übernehmen sollte, das hat er sich damals nicht träumen lassen. Ganz klassisch haben die beiden ihre Dampflokomotiven-Heizer-Ausbildung, ihren Kesselschein und ihre Ausbildung zum Lokomotivführer gemacht. Neben ihrem Studium kostet das eine Menge Stunden Arbeit, doch man merkt den beiden an, dass die Lok einfach Herzenssache für sie ist. Und so entschlossen sie sich 2015 in die Fußstapfen vom Vorgänger Manfred Halle zu treten, der die Greif aus gesundheitlichen und Altersgründen verkaufen musste.

Danke! Sonst wäre die Greif jetzt irgendwo im Museum und die Schlossgartenbahn um eine Riesen-Attraktion ärmer!

Das Karlsruher Bähnle

Eigentlich war das Projekt Schlossgartenbahn nur für die Dauer der Bundesgartenschau im Jahre 1967 begrenzt, doch die Karlsruher hatten ihr "Bähnle" liebgewonnen und protestierten gegen einen Abbau und so darf die Schlossgartenbahn noch heute fahren zur großen Freude von Klein und Groß.

Immer sonn-und feiertags dreht die Dampflok Greif im Schlossgarten schnaufend und pfeifend ihre Runden. Betrieben wird sie mit Öl, Wasser und Holz, was bei den aktuellen Temperaturen von über 30 Grad eine heiße Herausforderung ist. Sie ist aus dem Baujahr 1939 und wurde immer wieder durch das engagierte Team restauriert und zum Beispiel auch durch einen Kuhfänger ergänzt.  

Weiter hinten im Lokschuppen entdecken wir eine gelbe Lok im alten Porsche Industrie Design. Es ist die Original-Lok, die vor 50 Jahren zur Bundesgartenschau in Karlsruhe ihre Runden drehte. Die Porsche-Lok ist dem Porsche 356 vom Ende der 50er Jahre nachempfunden. Sofern das Wetter es zulässt dreht die Porsche-Lok immer freitags ihre Runden.

Tobis Lieblingsplatz

Steffen Waidelich erzählt uns eine Geschichte des kleinen 2-jährigen Tobi, der vor einigen Jahren von daheim aus der nahe gelegenen Bismarckstraße ausgebüchst war und nach Stunden des Suchens konnte ihn die besorgte Mutter wieder in die Arme schließen. Nun ratet mal wo? Richtig, im Schlossgarten beim Bähnle. Er hatte das Pfeifen der Lok gehört und wollte unbedingt zusehen, wie sie ihre Runden durch den Schlossgarten dreht. 

Die Greif tuckert durch den Schlossgarten

Greif bekommt Besuch

Wir haben bei unserem Besuch ganz besonderes Glück, denn dieser Tage steht die Greif nicht alleine im Lokschuppen. Die Dampflok EMMA aus dem Feldbahnmuseum in Frankfurt ist zu Besuch. Bereits 2016 war EMMA schon einmal in Karlsruhe und ist gemeinsam mit der Greif durch den Schlossgarten getuckert. Ihr Besitzer, Christian Felten, berichtet stolz von seiner Lok: Die Emma ist eine Lok aus dem Jahr 1921 und ein ganz besonderes Liebhaberstück.

Da kann ich mir es natürlich nicht entgehen lassen, die Emma und die Greif ein paar Tage später beim großen Familienfest zu Ehren des 50. Geburtstages live zu erleben!

Ich kann nur sagen, das Eisenbahn-Virus hat mich jetzt auch erfasst, ich durfte sogar auf der Greif mitfahren. Juhu! Anbei ein paar fotografische Eindrücke:

Einfahrt frei!

„Achtung, an Gleis 2, es fährt ein die Emma aus Frankfurt!“ Ein Original, das man einfach erleben muss, ist auch der Hobby-Bahnhofsvorsteher Markus Möhnert, der seit vielen Jahren scherzhaft vor Indianer, Banditen und Räuber im Schlossgarten warnt und es nicht versäumt vor Abfahrt laut zu brüllen: „Gute Fahrt und kommt heil wieder“.

Also worauf warten? Einsteigen, Türen schließen, Zug fährt ab. Kommt mit auf eine schöne ca. 20-minütige Fahrt durch den herrlichen Schlossgarten. Am Bahnhof hinter dem Botanischen Garten könnt Ihr Eure Fahrkarte lösen und los geht´s.