Bedarfsgerecht, nachhaltig und ohne Plastik

Umweltbewusst einkaufen im „Unverpackt“-Laden

entdecke die neue Art des Einkaufs

Vanessa

Langsam rieselt der Reis in das gläserne Gefäß. An der Vitrine nebenan greift sich eine Dame stückgenau sieben Himbeer-Bonbons und füllt sie in ihre kleine mitgebrachte Papiertüte. Und im zweiten Stock plätschert der Balsamico-Essig in eine leere Glasflasche. Im „Unverpackt“-Laden direkt gegenüber vom Hauptbahnhof gibt es nämlich keine fertigen Lebensmittel-Portionen. Plastikverpackungen sucht man vergebens. Stattdessen stehen hier Säulen voll mit Reis, Nudeln, Haferflocken oder Behälter mit Balsamico, Schnaps und Reinigungsmittel. All das füllen die Kunden bedarfsgerecht in ihre mitgebrachten Gefäße. So werfen sie zuhause weder unnötige Plastiktüten und Verpackungen noch überflüssige Lebensmittel weg.

Frische Lebensmittel bedarfsgerecht auswählen

Antonia Wucknitz, Inhaberin des „Unverpackt“-Ladens, erklärt das Konzept: „Körner, Flocken, Mehl, Reis – aber auch Backpulver, Zucker, Salz – werden in 25 Kilo Säcken geliefert. Die Nudeln kommen in 10 Kilo Kartons.  Tofu, Gemüse, Eier und Getränke holen wir persönlich ab. Im Laden füllen wir die Ware dann in die sogenannten Bulk Bins“. Die sogenannten Bulk Bins sind spezielle Spendersysteme. Sie bestehen aus nahezu unzerbrechlichem Polycarbonat. Der Vorteil ist, dass die Lebensmittel gesehen, aber nicht berührt werden können. „Der Kunde zieht hier am Hebel und dann kommt die Ware unten raus“, so Wucknitz. Durch das geschlossene System bleiben die Lebensmittel lange frisch. Außerdem verfügen die Bulk Bins über einen UV-Schutz, sodass sie ohne Abdeckung vor dem Schaufenster stehen können.

Die Idee, in Karlsruhe einen solchen Laden zu eröffnen, entstand „aus dem eigenen Frust heraus“. Wucknitz wollte endlich bedarfsgerecht einkaufen können.  Bei der Recherche im Internet stieß sie auf den bestehenden Unverpackt-Laden in Kiel und konnte sich sofort mit der Philosophie identifizieren. Mittlerweile finden bei ihr auch Vorträge und Workshops statt, zum Beispiel zum Thema Müllvermeidung.

Plastiktüten gehören der Vergangenheit

Im Einkaufs-Alltag kommen die Kunden meist mir ihren eigenen Gefäßen in den im Mai 2016 eröffneten Laden. Welche Behälter zum befüllen der Lebensmittel mitgebracht werden, bestimmt jeder selbst. Für Menschen, die spontan vorbei schauen oder ein eigenes Gefäß vergessen haben, hat Frau Wucknitz eine Lösung parat. „Wir haben Gläser und Stofftüten, die wir verkaufen.“ In der „Von Kunde für Kunde“-Kiste finden Gäste gespendete Gefäße. Den Behälter wiegen sie zu Beginn und schreiben das Gewicht auf, denn dieses zieht Wucknitz beim Kassieren wieder ab. Dann kann die Entdeckungsreise durch die Waren des „Unverpackt“-Ladens losgehen. Im ersten Stock steht beispielsweise Bio-Hafer neben Weizen, Roggen oder Kochdinkel. In einer anderen Ecke finden die Kunden Backzutaten: Kokosraspeln neben Haselnüssen – gemahlen oder gehobelt.

Müsli individuell mischen

Im zweiten Stock gibt es Agavendicksaft, Spirituosen wie Rum aus Trinidad und Tobago sowie Absinth, Seife und Putzmittel. Auch das kann man sich hier ganz einfach „zapfen“. Besonders gut verkaufen sich laut Wucknitz beispielsweise Zahnbürsten aus Bambus. „Überrascht hat mich der große Bedarf an Putz- und Reinigungsmitteln. Manche Kunden kommen teilweise sogar mit einem Kanister“, so die Inhaberin.

Am meisten über die Ladentheke gehen aber Grundnahrungsmittel wie Nudeln, Reis und Bohnen. Letztere verkauft Wucknitz vor allem im Winter. Auch das Müsli ist sehr beliebt. „Dank einer Mischkalkulation kann der Kunde sich selbst sein Wunsch-Müsli zusammenstellen“, erklärt sie. Zur Auswahl stehen unter anderem Haferflocken, Gerstenflocken, Weizenflocken oder Cornflakes.

Weniger ist mehr

„Viele meiner Kunden sind Stammkunden, bestimmt jeder dritte oder vierte“, sagt Wucknitz. Ziel des Konzeptes ist es auch, das Einkaufen zu entschleunigen. Deshalb gibt es vom Hafer nur eine Sorte und nicht zehn verschiedene. „Man braucht ja nicht immer die Wahnsinns-Menge an Auswahl“, meint Wucknitz. Als besonderen Service füllt sie ihren Kunden den Einkaufskorb, während diese zur Arbeit gehen oder andere Erledigungen machen.  

Grob geschätzt führt Antonia Wucknitz 450 verschiedene Produkte in ihrem „Unverpackt“-Laden. „Damit kann man schon einen ganz normalen Basiseinkauf tätigen“, so Wucknitz. Bei Nudeln, Reis und Bohnen beispielsweise hat sie eine mehr als ausreichende Vielfalt zu bieten. Es gibt Vollkornnudeln, Penne, Farfalle, Makkronelli oder Prellini – Jasminreis, roter Reis, Milchreis, Basmati, Risotto und Langkorn – Kidneybohnen, weiße Riesenbohnen und Mungbohnen. Also eigentlich alles, was das Herz begehrt. Das Sortiment wird stets erweitert. So kamen vor kurzem Wacholderbeeren, Backerbsen, grobes Meersalz und weißer Balsamico hinzu.

Nachhaltiger leben leicht gemacht

Bei Antonia Wucknitz kaufen ganz unterschiedliche Menschen ein. „Die Kunden sind querbeet – von Familien bis Studenten. Manche sind am Anfang ein bisschen skeptisch. Dann ist es aber umso schöner, wenn sie wiederkommen“, sagt sie. Zahlreiche Besucher stellen bei ihrem ersten Mal viele Fragen. „Sie sind alle sehr offen und neugierig, da freue ich mich sehr darüber“, sagt sie. Die Karlsruher gehen laut Wucknitz sehr bewusst mit dem Thema Nachhaltigkeit um. „Ich bin ja selbst Karlsruherin und kenne die Stadt und die Leute. Mir war relativ schnell klar, dass das Konzept hier gut funktionieren wird.“

Antonia Wucknitz hat noch ein paar weitere Tipps für Menschen, die gerne nachhaltiger leben wollen:

-       Stofftaschen verwenden

-       Brötchen beim Bäcker, das man gleich isst, nicht einpacken lassen

-       Verpackungen und Schachteln wiederverwenden

-       Nachfüllpackungen benutzen

-       Obst und Gemüse lose kaufen

-       Mehrwegflaschen bevorzugen

-       Nur kaufen was man braucht. Lasst euch nicht von XXL-Packungen verführen

-       Nichts „blind“ wegwerfen, nur weil das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist