Flusspferde am Oberrhein

Wie war die Eiszeit wirklich?

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Clara

Flusspferde – die gefährlichsten Tiere Afrikas – am Oberrhein? Das gibt’s doch nicht! Wir können Euch nun verraten: Gibt’s doch, nämlich in der neuen Sonderausstellung im Naturkundemuseum! Noch bis zum 21. Januar könnt ihr die spannende Ausstellung „Flusspferde am Oberrhein – Wie war die Eiszeit wirklich?“ entdecken. Wir waren für Euch dort und ich kann schon mal vorneweg sagen: Die Ausstellung ist lohnenswert für Groß und Klein.

Eine Reise in die Urzeit

Die Führung ermöglichte es mir, für gut eine Stunde ganz in die urzeitliche Vergangenheit unserer Region einzutauchen, genauer gesagt in das Eiszeitalter zwischen 126.000 und etwa 11.700 Jahren vor heute. Nach einer spannenden Einführung über geowissenschaftliche und klimatische Aspekte, die mich als Geographiestudentin besonders interessiert haben, ging es in den Hauptausstellungsraum. Ein etwa 700 Quadratmeter großer Saal eröffnete sich uns und bereits auf den ersten Blick sah man zahlreiche lebensgroße Exponate. Ich ließ mich also vollends auf die Zeitreise in die Vergangenheit ein. Das Eiszeitalter war keineswegs immer nur eisig kalt, viel mehr wechselten sich warme und kalte Perioden ab. Die Ausstellung behandelt somit zwei verschieden warme Zeitalter – die Eem-Warmzeit und die Würm-Kaltzeit. Noch nie davon gehört? Macht nichts. Denn in der Ausstellung erfahrt ihr alles Wichtige dazu und könnt euch ansehen, welche Tier- und Pflanzenarten damals lebten. Besonders gut visualisiert wird dies durch die Unterteilung von Sommer- und Wintermonaten auf gegenüberliegenden Raumseiten, sodass man die Flora und Fauna im Jahresverlauf verfolgen kann. Wirklich beeindruckend waren die lebensgroßen Modelle vom Moschusochsen, Wollhaarnashorn oder dem Europäischen Wasserbüffel. Würde dieser heute noch bei uns leben, könnte man glatt mit der Mozzarellaproduktion bei uns beginnen. Neben den in die natürliche Umgebung des Oberrheins eingebetteten originalgetreu dargestellten Lebewesen gibt es ebenfalls Original Fossilien zu bestaunen.

Die neue Sonderausstellung "Flusspferde am Oberrhein"

Schon ausgestorben - Wald- und Wollhaarnashörner

Eine anschauliche Entdeckungstour

Ein besonderes Highlight der Fundstücke ist zum Beispiel der Schädel eines Waldnashorns, der im Jahr 1802 ausgegraben wurde. Und ratet mal, wo? Genau, in Karlsruhe. Besser gesagt im Stadtteil Daxlanden. Dieser ist einer der besterhaltenen Waldnashornschädel überhaupt. Kaum zu glauben, aber zunächst wurde er für den Schädel einer Meerjungfrau gehalten! Bei den Exponaten gibt es aber nicht nur bereits ausgestorbene Lebewesen. Auch uns vertraute Tiere wie Biber, Murmeltiere, Hamster und Füchse sind schon damals durch Wald und Wiesen gestreift und haben ihren Weg in die Ausstellung gefunden. Ergänzend zu den originalgetreuen Tieren vermitteln 3D-Modelle, Grafiken und interaktive Wissensstationen, wie z.B. eine Hör-, Tast- und Riechstation, das Wissen anschaulich. Bei einem Besuch solltet ihr euch unbedingt an diesen Stationen ausprobieren.

Erleben mit allen Sinnen - eine Station zum Tasten

Ein Highlight der Ausstellung: Das Daxlander Waldnashorn

Flusspferde am Oberrhein?!

Aber wie war das jetzt eigentlich mit den Flusspferden? Die Flusspferde haben natürlich nicht während der Würm-Kaltzeit gelebt, dafür aber in der warmen Periode zuvor, zusammen mit europäischen Sumpfschildkröten oder Jaguaren, die damals in ganz Mitteleuropa zu finden waren. Die Hippos haben sich sogar bis nach Mittelengland ausgebreitet und lebten in Deutschland vor allem im Rheingebiet. Heute können wir Flusspferde in Karlsruhe nur noch im Zoologischen Stadtgarten bewundern. Aber ehrlich gesagt ist mir das vielleicht sogar lieber, als wenn die fünf Tonnen schweren Säuger noch immer durch unseren Rhein schwimmen würden.

Das Flusspferd: Fünf Tonnen schwer und bis zu 30 km/h schnell

Uns vertraute und bereits ausgestorbene Tiere in der Eem-Warmzeit

Erlebt es selbst!

Nach unserer Rundtour haben sich die Fragezeichen in meinem Kopf gelöst. Ich persönlich kann die Ausstellung jedem weiterempfehlen, der sein Wissen über das Eiszeitalter auffrischen möchte oder jetzt neugierig geworden ist. Durch die interaktiven Stationen und die anschaulich dargestellten Lebewesen kann man viel dazulernen und es macht Spaß, die Erdgeschichte zu entdecken. Unser Tipp: Am besten ihr erkundet die Ausstellung per Führung oder mit einem Audioguide. Aber eins ist sicher - ein Besuch lohnt sich!