Schauburg

Blick hinter die Kulissen

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von Juliane

08/15 Kino? Nicht in der Schauburg!

Das Kino in der Südstadt kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken und hat sich diese bis heute bewahrt – so hebt es sich von den zahlreichen Kinoketten ab und bietet ein ganz besonderes Kinoerlebnis. In Zeiten von Netflix und Amazon Prime haben es Kinos schwer sich zu behaupten, da das einzige Steckenpferd der Ketten meist nur die Exklusivität der Erstausstrahlung für einige Monate ist. Auch mir geht es meist so…Warum soll ich viel Geld ausgeben, für einen Film den man nach kurzer Zeit sowieso streamen kann. Doch in die Schauburg in die gehe ich immer noch gerne.  Hier ist jeder Besuch ein Erlebnis und im Programm findet man die ein oder andere ungewöhnliche Veranstaltung.

Vom Varietétheater zum Kino

Im Rahmen einer Sonderführung hatte ich die Möglichkeit einen Blick hinter die Kulissen des Kultkinos zu werfen und mehr über seine Entstehungsgeschichte zu erfahren. 1902 als Varietétheater gegründet (das Erste in Karlsruhe), war es bis in die 20er Jahre hinein eine Attraktion und zeigte, mit der Erfindung des bewegten Bildes, auch kurze Schwarzweißfilme. Mit der zunehmenden Beliebtheit des Films wurde die Schauburg in ein Kino umgewandelt.

Einzigartiges Cinerama

Der Saal (heute der Schauburgraum) hatte ähnlich einem Theater eine Empore und bot so einer großen Menge an Menschen Platz. Auch die Kinoleinwand war etwas ganz Besonderes. Mit seiner um 120 Grad gekrümmten Cinerama Bildwand entstand bereits weit vor der Entwicklung des 3D Kinos eine Art 3D Wahrnehmung. Die Schauburg hat sich diese Filmleinwand bewahrt und ist neben wenigen anderen Kinos in Europa das einzige Kino in Deutschland, das noch mit solch einer Rarität aufwarten kann.

Aus eins wird zwei

Als schon bald der Platz zu klein wurde und auch das Filmangebot wuchs, teilte man den Saal in Schauburg und Cinema auf. In den 70er Jahren wurde zudem eine angrenzende Garage in das Bambi umgebaut. Mit seinen 61 Plätzen ist der Raum zwar klein, aber spielt eine zentrale Rolle für Kinder-, Art House- und Nischenfilme. Letztere beiden Genres werden zudem immer wichtiger, da sich das Kino der Zukunft immer mehr auf Special Content stützen muss, erfahre ich während der Führung. Gerade Opernübertragungen, Konzerte und Extremsportfilme sind extrem beliebt.

Neu und Alt Hand in Hand

Obwohl die Schauburg schon immer bestrebt war technologisch auf dem neusten Stand zu bleiben (es war das erst Kino in Karlsruhe mit 3D Technik), werden bis heute analoge 35mm und 70mm Bildformate vorgeführt. Viele Regisseure kommen mittlerweile auf dieses Format zurück, welches einen ganz außergewöhnlichen Retroflair mit sich bringt. Auch „The Hateful 8“, „Dunkirk“ und „Mord im Orientexpress“ gab es in 70mm zu sehen. Welchen Aufwand die Schauburg damit betreibt, zeigte sich in den Projektionsräumen. Die Filmspulen benötigen ausreichend Platz um abgespielt werden zu können. Ihr Gewicht beläuft sich auf bis zu 70kg. Außerdem kennen sich nur noch wenige Leute mit den Maschinen aus.

In roten Samt gehüllt

Abseits von den technischen Details strahlt das Kino einen sehr eleganten Charme aus, zum einen durch die geschwungene, gegenläufige Treppe im Eingangsbereich, die nach dem zweiten Weltkrieg komplett renoviert werden musste (heute steht sie unter Denkmalschutz), zum anderen durch die mit rotem Samt und Kronleuchter ausgestatteten Säle.

Hier ist für jeden etwas dabei

Wie eingangs erwähnt, ist es vor allem das bemerkenswert vielfältige Programm welches überrascht. Neben den aktuellen Blog Bustern werden eine Vielzahl an Nischenfilmen, Dokus und Special Content gezeigt. Außerdem gibt es Themenreihen und auch Klassiker, wie unter anderem die Star Wars Reihe, zu sehen. Zudem gibt es spezielle Programme für Senioren und Kinder. Drei bis vier Mal im Jahr werden darüber hinaus Stummfilmvorführungen mit Live-Klavierbegleitung und regelmäßig auch Live-Oper- und Ballett-Übertragungen aus aller Welt gezeigt. Jedes Jahr findet in der Schauburg übrigens das beliebte „Independent Days“ Filmfestival statt.

2012 wurde die Schauburg sogar mit dem BKM Filmförderung (vom Bundesinnenminsterium) Hauptpreis für das beste Jahresprogramm ausgezeichnet. Mein persönlicher Favorit ist und bleibt jedoch das Frühstückskino! Nach einem leckeren Frühstücksbuffet kann man entspannt mit einem Film in den Tag starten. Wenn du die Schauburg noch nicht kennst, rate ich dir: Nichts wie hin!