sehen denken träumen

Französische Zeichnungen aus der Kunsthalle Karlsruhe

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Jennifer

Seit dem 29. September zeigt die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe eine einzigartige Sonderschau komplett aus den eigenen Beständen: Als eines der wichtigsten Sammlungszentren französischer Kunst außerhalb Frankreichs besitzt die Kunsthalle über 200 herausragende Zeichnungen von Robert über Lorrain bis hin zu Degas und präsentiert eine Vielzahl davon zum sehen denken träumen.

In der 1648 gegründeten Académie royale de peinture et de sculpture war die Fähigkeit zur hochwertigen Zeichnung bereits Voraussetzung im Studium der Künste, sodass sich in der Ausstellung ein hochkarätiges Zeichenblatt an das andere reiht. Das empfindliche Papier, auf dem vielfältige Zeichnungen aus Kreide, Kohle, Rötel, Pastell und Co. ihren Ausdruck fanden, ist dem Besucher sonst kaum zugänglich, ein Besuch der Ausstellung lohnt sich also allemal!

Ein detailreicher Rundgang

Am Anfang des chronologischen Rundgangs durch die Ausstellung führt ein kurzer Film in das doch noch recht unbekannte Thema der Zeichnung ein: Kuratoren, Künstler, Restauratoren und Sammler laden den Besucher ein, aufs Detail zu achten – auf Pinselführung, Schattierungen, Linien, Wasserzeichen, Besitzerstempel, Klebeband, Rückseiten – denn: vom Sehen kommt man schnell ins Denken – und mit etwas Fantasie direkt ins Träumen über die dargestellten Porträts, Detailstudien, Monumente, Landschaften.

Die Faszination steckt oft im Detail

Drei Werke von Jean-Baptiste Oudry auf blauem Papier

In der Zeichnung kommt man dem Künstler besonders nahe – die Unmittelbarkeit in Strichen und Linien, der oft spontane Charakter des Bildes machen die genaue Betrachtung besonders spannend und ermöglichen einmal einen ganz anderen Zugang zum Schaffensprozess des Künstlers. Wieso wählte er blaues Papier? Warum die eine Technik hier und dort die andere? Welchen Effekt hat der Rötelstift im Vergleich zum Graphit? Wo wurde ausradiert und korrigiert?

Kuriose Geschichten und literarische Einflüsse

Ob skizzenhafte Vorarbeit für ein Gemälde oder eigenständiges Kunstwerk – viele Zeichnungen zeigen Einflüsse von Literatur und Theater. So wurde z.B. Voltaires Henriade vom Künstler Gravelot illustriert. Auch humorvolle Anekdoten finden sich in so manchem Bild: So fing Antoine Coypel in seinem „Kopf eines bärtigen alten Mannes“ den verschmitzten Schneid des biblischen Laban ein, der Jakob trotz siebenjähriger Schufterei seine Tochter Rachel vorenthält. Während Jean-Baptiste Greuze seine wohl wenig begeisterte Ehefrau schlafend mit großer Detailtreue skizzierte, um sie später als Vorlage für die allegorisch schlafende Philosophie in einem Gemälde zu verwenden, widmete sich der als „Ruinenrobert“ bekannte Hubert Robert ganz der Welt der antiken Architektur.

Antoine Coypel, Kopf eines bärtigen Mannes, 1679

Der manchmal geringe Stellenwert der Zeichnung für den Künstler: ein durch Ankleben vergrößertes Blatt

Zeichenwerkstatt

Inmitten der Ausstellung gilt es, selbst Hand anzulegen! In einem eigens eingerichteten Zeichenlabor erhält man die Möglichkeit, selbst einzutauchen in die Vielzahl von Farben, Stiften und Pinseln, sich vom gerade Gesehenen inspirieren zu lassen oder etwas ganz Eigenes aufs Papier zu bringen.

In der Werkstatt gibt es Tipps zum selbst Zeichnen

Die Vielfalt an Medien ist groß – von Bleistift über Kreide hin zu Kohle

Eine Mitmach-Ausstellung

„sehen denken träumen – Französische Zeichnungen aus der Kunsthalle Karlsruhe“ zeigt eine ganz einzigartige Vielfalt französischer Werke vom ausgehenden 16 bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Formen, Stile und Experimentierfreude kommen in über 100 Blättern in einem Rundgang zusammen und bezeugen die rege Sammlungstätigkeit der Kunsthalle Karlsruhe.

sehen denken träumen ist noch bis zum 13. Januar 2019 in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe zu sehen.

Unter https://kunstnuss.org/ finden sich weiterführende Informationen als digitales Begleitangebot. Zahlreiche Vorträge, Konzerte und Führungen runden die Sonderausstellung ab.