Historischer Stadtrundgang mit dem Waschweib Mimi

Wer hat denn hier gewohnt?

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Clara

Geschichte kann ja manchmal ganz schön trocken sein, doch als ich am Freitagnachmittag zum Treffpunkt des Stadtrundgangs am Rathaus kam und die kostümierten Stadtführer erblickte, dachte ich mir bereits, dass das wohl kein gewöhnlicher Rundgang werden würde. Ich war schon sehr gespannt, was das Waschweib Mimi bei dem Stadtrundgang „Wer hat denn hier gewohnt?“ zu berichten hat.

Los geht's

An einem Freitagnachmittag, pünktlich um 17 Uhr, sind alle Teilnehmer des Rundgangs auf dem Marktplatz versammelt und lauschen Mimi gespannt, die anfängt, von der Zeit im barocken Karlsruhe, der Markgrafenfamilie und der Stadtgeschichte zu erzählen. Außerdem wird uns der Kutscher Alfred vorgestellt, der uns bei dem Rundgang begleitet. Nach einer kurzen Einführung zieht Mimi Kärtchen aus ihrem Korb, auf denen jeweils eine Person mit Bild und einer kurzen Beschreibung zu sehen sind, die im Karlsruhe des 17. und 18. Jahrhunderts eine wichtige Rolle gespielt haben. Jedem Teilnehmer wird eine Person zugeteilt, mehr über „sich selbst“ erfährt man jedoch erst im Laufe des Rundgangs. Mein Charakter heißt Stéphanie de Beauharnais, von der ich noch nie zuvor gehört habe. Ich muss mich also noch gedulden, bis Mimi im Laufe des Rundgangs ihre Geschichte aufklärt.

Die ersten Teilnehmer warten vor dem Rathaus

Stéphanie de Beauharnais: Einer der wichtigen Charaktere des Rundgangs

Von der Evangelischen Stadtkirche zur Kaiserstraße

Der Rundgang führt uns vom Rathaus über die Evangelische Stadtkirche, vorbei an der Kleinen Kirche Richtung Kaiserstraße. Immer wieder bleiben wir stehen, und das Waschweib erzählt uns spannende Details über die Markgrafen und die Stadtentwicklung. Wusstet ihr zum Beispiel, dass die Fächerstraßen nach Kneipen benannt sind? Lammstraße, Hirschstraße, Kronenstraße – nur einige Beispiele für frühere Wirtshäuser, von denen die Straßen ihren Namen erhalten haben. Verschiedene Bilder und Zeichnungen unterstützen Mimis Erzählungen graphisch, sodass man sich noch besser in die historische Zeit zurückversetzen kann.

Mimi hat viel zu erzählen

Grafiken und Bilder veranschaulichen Mimis Erzählungen

Rund um das Schloss

Weiter geht es über den Zirkel und den Platz der Grundrechte zum Schlossplatz. Im weiteren Verlauf des Rundgangs erfahren wir mehr über unsere Charaktere und in welcher Beziehung sie zueinander und zum Stadtgründer standen. Immer wieder bemerke ich die neugierigen Blicke vorbeigehender Passanten, die sich wohl über die ungewöhnlichen Kleider wundern. Passend zum Standort nahe des Schlosses informiert uns Mimi auch über das Leben im Schloss. Kaum vorstellbar, aber es gab im Schlossgarten damals 5000 Sorten (!) verschiedener Tulpen und eine Vogelvoliere mit rund 300 Kanarienvögeln. Das Leben am Hof zur barocken Zeit muss wirklich prächtig gewesen sein!

Die Gruppe hört Mimi gespannt zu

Hier soll sich das Chemielabor der gebildeten Markgräfin Karoline Luise von Baden befunden haben

Unser Weg führt uns an der linken Seite des Gebäudes weiter am Botanischen Garten und am Bundesverfassungsgericht vorbei. Wir bleiben an einem großen Eisentor stehen. Habt ihr euch auch schon gefragt, warum der Türgriff so hoch hängt, dass man das Tor kaum öffnen kann? Tatsächlich liegt das an der symmetrischen Bauweise des Barocks, sodass der Türgriff genau in der Mitte des Tores sein muss. Wirklich spannend, was wir hier alles erfahren! Wir schreiten durch das Tor hindurch und laufen einmal um das Schloss rum, sodass wir schon bald wieder am Schlossplatz stehen, wo unsere Tour enden wird.

Höher als übliche Türklinken

Mimi zeigt uns den Thron, der anlässlich des 300-jährigen Stadtgeburtstages im Schlosspark aufgestellt wurde

Das spannende Finale

Nach weiteren Stopps nahe des Schlosses erfahre ich schließlich auch, was es mit meiner Person Stéphanie de Beauharnais auf sich hat. Sie war eine Adoptivtochter Napoleons, die im Jahr 1806 den Erbprinz Karl von Baden ehelichte. Und so schließt sich der Kreis, sodass wir am Ende wissen, wer welche Rolle in der Stadtgeschichte gespielt hat. Ich kann euch sagen, dass sich dieser historische Rundgang definitiv lohnt. Durch die interaktive Gestaltung und die zahlreichen Anekdoten, die Mimi vom Leben am Hofe ausplaudert, wird einem garantiert nicht langweilig beim Zuhören, sodass ihr viel Neues aus diesem Rundgang mitnehmen könnt. Auch ich als gebürtige Karlsruherin habe viel über meine Stadt gelernt.

Besonders schön finde ich die Idee mit der Zuteilung eigener Charaktere, sodass die Teilnehmer direkt mit einbezogen werden und nicht nur passive Zuhörer sind. Mimis unterhaltsame Erzählweise und ihre barocke Kostümierung lassen einen 300 Jahre zurück in die Vergangenheit reisen – man fühlt sich ein bisschen in die Zeit des Barocks zurückversetzt. ;-)